Zitate und Kommentare von und über Dean Martin
 
1967    gewährt    Dean  Martin,
Oriana   Fallaci,   die   für  Look 
eine    Titelgeschichte    schrei-
ben  soll,  das  einzige  längere 
Interview,   das  er  je  gegeben
hat.  Es  kommt  dabei   bemer-
kenswert wenig heraus.

Nicht weil sich Dean geweigert
hätte,  Auskunft zu geben.  Aber
das  Bild  des  gottesfürchtigen
italoamerikanischen  Familien-
vaters,  das  er   von   sich   ent-
wirft, 
wirkt so,  als  habe  er mit
der Zeit  selbst  angefangen  zu
glauben, was andere für ihn er-
dacht hatten. Es war herzerwei-
chend :  Seine Eltern waren  ge-
rade  gestorben. 
Und hier  saß
er nun, der  arme Junge, der es
weit gebracht hat und doch sei-
ne  Wurzeln nie  vergessen hat.  

Man darf sich sicher sein, daß er dabei nicht gelogen hat, aber die Wahrheit hat er auch nicht gesagt. Vermut- lich war  er von dem  familienfreundlichen  Image in  Wirklichkeit tatsächlich nicht weiter  entfernt als von  dem Gegenentwurf des Spielers, Trinkers und Aufreißers, das die Medien verbreiteten. Das eine hat ihn vermutlich so wenig interessiert wie das andere.Er wollte einfach in Ruhe gelassen werden, Freunde und Familie in klei- nen Dosen genießen und ansonsten alleine sein, golfen, fernsehen, trinken, schlafen.  Interessant ist an die- sem  Interview nur die  Beschreibung seiner  Erscheinung und seine  Auskünfte über seine  italienische  Her- kunft: " Sohn eines Abruzzen-Barbiers hat knotige, vernarbte Hände. Erinnerungen an seine Boxzeit.
 
Die Lippen, die Stirn voller Narben.  Einige Zähne wurden ausgewechselt.  Sein English ist primitiv, fehlerhaft. Er hat sich nie  bemüht,  es richig zu lernen.  Seine wahre Sprache ist  Italienisch. "Wenn ich an  Italien denke, denke ich nicht an die Mafia,  sondern an Christoph Columbus,  an Michelangelo,  an Marconi und  Toscanini, an all die Leute, die für Amerika so viel getan haben.Himmel, wo findet man soviel Talent, wie die Italiener ha- ben 90 Prozent der Sänger in Amerika sind Italiener: Tony Bennett, Frankie Avalon, Perry Como, Marion Lanza - Friede seiner armen Seele - , Vic Damone, Frank Sinatra und ich.Wir singen nähmlich mit dem Herzen, nicht nur mit dem Mund.  Danach macht Dean völlig dicht,  gibt nie wieder ein richtiges Interview. Als habe er in die- sem Gespräch testamentarisch hinterlassen, wie er von der Welt gesehen werden möchte:  

HE  WAS  A  NICE  GUY.

(Auszug aus dem Interview von 1967)

Dean Martin´s Losung: "Man ist nicht betrunken, solange man noch am Boden liegen kann, ohne sich festhalten zu müssen".

Die Beatles  waren aufgetaucht mit  "I Want to Hold Your Hand" ,  und anderswo sang  Bob Dylan "The
Times They Are A-Changing". In der Tat waren andere Zeiten angebrochen,  und Dean fühlte sich zum erstenmal so alt, wie er war.  Er nimmt ein neues Album auf,  auf dem unter anderem  "My Melancholy
Baby" zu hören sein soll. Als sie elf Songs im Kasten haben, suchen Dean und  Ken Lane nach  einem
Song, der das Dutzend voll macht. Lane erinnert sich an etwas, das er vor 15 Jahren mit  Irving Taylor
geschrieben hat.  Sinatra hatte es  1948 für die  Columbia  aufgenommen,  andere  auch,  aber  keiner hatte damit Erfolg gehabt. Lane spielte es auf dem Piano,  als Jeannie hereinkommt und sagt, dies sei mal ihr Lieblingssong gewesen:  "Everybody Loves Somebody".  Im Juni  1964 taucht der  Song in der Hitparade  auf,  und  kurz  darauf  hat  er  "A Hard Day´s Night"   von  der   Spitze  verdrängt.  Die Zeiten mochten  sich  vielleicht  ändern,  aber Dean hattes es den  Beatles  noch mal gezeigt.  Das sollte ihm erst mal einer nachmachen.

Am  7.Juni  1966  feierten  Dean  mit Sinatra,  Richard Conte,  Sinatras Freund  Jilly Rizzo  und ein  paar
Miezen  in  der  Polo  Lounge  seinen  Geburtstag.  Am  Nebentisch  saßen  Frederick  R. Wiseman,  der
54jährige Vorstandsvorsitzende von  Hunt´s Foods,  und  Franklin H.Fox,  ein Geschäftsmann aus  Bos- ton,  die die Verlobung ihrer Kinder begingen.  Sie fanden das  Benehmen am  Nebentisch  unpassend, und  Wiseman wies  Sinatra darauf hin,  daß noch andere Leute anwesend seien.  Sinatra gab zurück, das  gehe ihn einen  Dreck an.  Dann  drehte er sich zu seinen  Leuten um und  machte  sich  über  den "verdammten   jüdischen  Bastard"   lustig.  Wisemann  fand  das   nicht  komisch,   und   im  nächsten Moment mußte  Dean seinen  Freund davon abhalten,  Wisemann an die Wäsche zu gehen.  Als der je- doch anfing über  "dreckige Itaker"  herzuziehen,  schlug Dean zu.  Der Tisch ging zu Bruch,  der Mann ging zu  Boden und  erwachte erst  48 Stunden  später mit einem  Schädelbasisbruch aus dem  Koma. Sinatra gab an, nichts gesehen zu haben, und das Verfahren wurde zwei Wochen später eingestellt.
Der schönste Satz nach seinem Tode kommt wieder von Nick Tosches,  der schon zu Dinos Lebzeiten die treffendsten Sätze gefunden hat: " Er hat sich für sein Leben einfach nicht interessiert. Er war völ- lig  zufrieden mit der  Einsamkeit.  Ich hätte ihm  gewünscht,  daß er die 80 schafft.  Das war das  Alter Buddhas, als er starb. Ich habe ihn irgendwie immer als amerikanischen Buddha gesehen."

Dem ist nichts hinzuzufügen.
Quelle: Michael Althen "Dean Martin Seine Filme - sein Leben"

************************************************************************

Das Buch von Michael Athlen "Dean Martin Seine Filme - sein Leben" ist derzeit das einzige 
deutsche Buch über das Leben und seine Filme von Dean Martin.Es ist ein Muß als Dean Martin-Fan 
es zu lesen.
DEAN MARTIN - FANPAGE - TIP

Inhalt

Biografie
Filme (inkl.Originaltitel,Songs,Darsteller usw.)
Kommentierte Filmographie
Gastrollen
Fernsehserien
Fernsehshows
Weitere Auftritte
Alben
Songs (alle Songtitel aufgelistet)
Bibliographie
170 Fotos

Erschienen im Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co.KG
München
1997


Direkt hier bestellen: